NATURE BASED CONSTRUCTIONS


Fast jeder kennt sie von Entdeckungstouren in der Stadt, im Urlaub oder weil es einen fesselnden Artikel in der Presse gab: 

 

Verwunschene Fabriken, verlassene Häuser und Denkmäler, von Pflanzen bewachsen und Wildtieren besiedelt. Der Falke im Kirchturm, der Birkenwald auf einem eingebrochenen Dach, Mehlschwalbenkolonien unter Brücken, Fische, die in ein Schiffwrack eingezogen sind. 

Neben diesen, von Flora und Fauna „okkupierten“ und primär nicht für die Besiedlung errichteten Bauwerken gibt es mehr und mehr Anlagen und Konstruktionen, die einzig und allein mit dem Ziel angelegt wurden, der Natur wieder mehr Lebensräume zu geben: Vogelhäuser, in Hauswände eingebaute Nistmöglichkeiten für Gebäudebrüter, ein Haufen aus Ästen als Unterschlupf für Igel, Wildbrücken und Fischtreppen, um Habitate zu verbinden. Für Tiere sind es das sogenannte „animal aided design“, einen weiteren Rahmen erfasst der Begriff „Nature based constructions".


Unser Ingenieurbüro beschäftigt sich seit Langem mit solchen – unabsichtlich oder absichtlich entstandenen – ­Konstruktionen und Habitaten. Wichtig sind diese, weil die Gebiete für die Natur ständig weniger werden, Arten aussterben, Ökosysteme kollabieren.


Besonders dringend sind die Probleme im Bereich von kanalisierten, strukturarmen städtischen Gewässern, die ohne Röhrichte- und Flachwasserzonen kaum Lebensräume bieten.  Diese Gebiete erfüllen viele Funktionen: Sie sind Brücken zwischen Wasser und Land, bieten gegenüber anderen Habitaten einer disproportional hohen Anzahl von Arten Lebensräume, haben die höchste Verdunstungsleistung aller Flächen, kühlen dadurch die Umgebungsluft, erhöhen den Sauerstoffgehalt der Gewässer, reinigen das Wasser und gehören für Menschen zu den schönsten Erholungsräumen.


Status quo


Fast unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit hat aber längst ein Umdenken begonnen: Deiche werden nicht immer nur höher und höher gebaut, stattdessen gibt man den Flüssen wieder ihre Auen und Altarme zurück, die Verwaltungen der Bundeswasserstraßen, die Bundesländer, Naturschutzverbände und private Initiativen erschließen Naturräume entlang der Gewässer und setzen Flachwasserzonen um.

Doch der Bau solcher Habitate in städtischen Gebieten ist überaus schwierig: Schiffswellen beschädigen die Pflanzungen, einfach schräg in Gewässer hinein aufgeschütteter Boden würde keinen Halt finden und die Fahrrinne verengen, in tieferen Zonen wächst nichts mehr, weil das Licht durch Algen nicht dahin vordringen kann, überhaupt: Flächen sind im engen Stadtraum kaum vorhanden, da bestehende Ufernutzungen wichtige Funktionen erfüllen, nicht einfach abgerissen werden können oder sollen. 


Habitat-Heterogenität-Hypothese

 

Laut der Habitats-Heterogenität-Hypothese führt eine Zunahme der Heterogenität eines Lebensraumes zu einer Zunahme der Biodiversität. Vereinfacht gesagt: Die Struktur eines Gewässers, die Veränderung der Pegelstände und der Fließgeschwindigkeiten, das Vorhandensein oder Fehlen von artspezifischen Nischen usw., sind entscheidend für den Erhalt und die Entwicklung von Habitaten.


Schon minimale Unterschiede lassen Mikrohabitate entstehen: Ein im Gewässer liegender, abgestorbener Ast, der Jungfischen als Unterstand dient, ein wellenberuhigter Bereich, in dem sich das Makrozoobenthos entwickeln kann, eine kleine Fläche mit sandigem Substrat, in der sich angeschwemmte Samen entwickeln können.

DER GRÜNDER


Ralf Steeg ist Diplom-Ingenieur für Landschaftsarchitektur und Umweltplanung und Mitglied der Ingenieurkammer Berlin. Er schloss sein Studium an einer der ältesten und renommiertesten Hochschulen für Landschaftsarchitektur in Europa ab und ist seit mehr als 30 Jahren auf dem Gebiet der Stadtökologie tätig. Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf der spannenden Herausforderung des Zusammenlebens von Stadt und Natur, dem Ressourcenschutz und der Verbesserung der Lebensqualität in Städten.


Bereits 1987 gründete er eines der ersten Büros für Stadtökologie in Deutschland und ist seitdem für öffentliche und private Auftraggeber tätig. Im Rahmen seiner Tätigkeit als Landschaftsarchitekt beschäftigte er sich mit mittelalterlichen Gärten und Landschaften – den Ursprüngen der modernen Landschafts- und Naturgestaltung – und führte beispielsweise Auftragsarbeiten für renommierte Institutionen wie das Historische Museum Bern/Schweiz durch. 


Der Gründer und Ingenieur Ralf Steeg.

Neben seiner eigentlichen Tätigkeit als Ingenieur organisiert er Ausstellungen und Symposien. Seine Arbeiten wurden im Deutschen Pavillon auf der Expo Shanghai (in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Heinrich-Hertz-Institut), auf der Architekturbiennale in Venedig, im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt, in der weltberühmten Architekturgalerie AEDES sowie im Berliner Gropiusbau im Rahmen der Ausstellung „300 Jahre Wissenschaft in Berlin“ gezeigt. Er wurde vom Deutschen Rat für Nachhaltigkeit ausgezeichnet und für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis nominiert.



Vorträge (Auszug)


Vorlesungen an Universitäten und Fachhochschulen
Humboldt-Universität zu Berlin / Post Graduate School, Technische Universität Berlin, Universität Kassel, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Beuth Hochschule für angewandte Wissenschaften / TFH Berlin, Universität Hildesheim, Europa Universität Viadrina, Universität Stuttgart, Rheinisch-Westfälische Fachhochschule, Universität Aachen (IWASA-Congress), Norwich University, Northfield, USA, Universität Weihenstephan-Triesdorf, HAWK Hildesheim, Hanoi Architecture University, University of Ho Chi Minh City

Further Lectures
City meeting Paris-Berlin, METROPOLENFIEBER! / Stadt Mannheim, Black/North SEAS / Odessa, Pecha Kucha / Berlin, Asia-Pacific Wochen / Berlin, Abgeordnetenhaus / Berlin, Stiftung Brandenburger Tor / Berlin, Urania / Berlin, re:publica, Katholische Akademie Berlin, Institut für Wasserökologie und Binnenfischerei, NaturVision Filmfestival / Ludwigsburg, Stiftung Naturschutz Berlin, Goethe-Institut, Messe Wasser Berlin, DAAD, Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung / Wissenschaftsjahr Berlin, Bundesstiftung Baukultur /Akademie der Künste, EU project "ENTIRE" / Jordan / Amman


Eigene Publikationen (Auszug)

Über das Gärtnern in der Stadt (1991), Ralf Steeg and Andre Schmid
Berlinbeach. Entwicklung eines Verfahrens zur Vermeidung von Einleitungen aus dem Mischkanalisationssystem in städtische Gewässer, Nobert Engel, Peter Moll, Ralf Steeg
SPREE2011 (2005), Ralf Steeg, Klaus Gabrielli, Jörg Welke (not published)
2008 City and Green
2008 Schloßplatz3
Regenüberlaufbecken der Generation 4 als modulares System, Ernst & Sohn Special 2016, sewer and pipeline construction


Mentioned in Publications

An der Spree - der Fluss, die Menschen. Gerd Conradt
Selfmade City Berlin: Urban design and residential projects in own initiative, Kristien Ring
WeltWissen: 300
Jahre Wissenschaft in Berlin; Katalog zur Ausstellung in Berlin, Jochen Hennig
111 Berliner, die man kennenlernen sollte, Lucia Jay von Seldeneck
Architecture of Change: Sustainability and Humanity in the Built Environment, Luckas Feireiss
This little book is wonderful. Sea food
Berlin Water Worlds Paperback, Corinna Weidner
Meer Berlin: Die Hauptstadt zu Wasser erobern, Lena Kuhl
UPDATING GERMANY: 100 Projekte für eine bessere Zukunft, Friedrich von Borries
Der Wassermann: Ralf Steeg and sein Kampf für einen sauberen Fluss, Sandra Prechtel


Presse
Über die Arbeit von Ralf Steeg sind mehr als 600 Presseartikel sowie Radio- und Fernsehberichte erschienen.